Wolfgang Ruß - Gründer und musikalischer Leiter der Landes-Akkordeon-Bigband Hessen 2000 e.V. (von Wolfgang Ruß)
Jazz war immer schon meine Leidenschaft. Bereits als Teenager habe ich nicht die gängigen Charts gehört, sondern AFN, den Sender der amerikanischen Streitkräfte. Dort lief diese wunderbar vitale Musik mit ihren Klängen und Rhythmen, die mich in ihren Bann zog. In meinem Umfeld gab es damals niemand, der mir einen Zugang zu dieser Musik mit ihren faszinierenden Harmonien ermöglicht hätte. Erst als mein Akkordeonlehrer Werner Frank mir Hefte mit Stücken von Hubert Deuringer gab, öffnete sich die Tür zu dieser Klangwelt.
Und dann war da noch die große Frage: Improvisation, wie funktioniert das? Die Antwort fand ich als junger Teilnehmer bei den Jazzkursen in Burghausen die ich regelmäßig besuchte. Inzwischen bin ich dort mehr als vier Jahrzehnte lang als Dozent für Gitarre und Comboarbeit tätig gewesen.
In den 90er Jahren begann ich in Hessen regelmäßig Jazz-Workshops für Akkordeon-Spielerinnen und -Spieler durchzuführen. Dabei kristallisierte sich ein Stamm von Interessenten heraus, welche immer wieder teilnahmen. Der Gedanke daraus eine feste Formation zu bilden war naheliegend.
Im Januar 2000 wurde die „Landes-Akkordeon-Bigband Hessen 2000 e.V.“ gegründet. Die Namenssuche für einen weniger sperrigen Titel ergab „A-Train“, wobei des A für Akkordeon steht und A-Train sich zudem auf eines meiner frühen Arrangements bezog, welches ich für diese Band geschrieben hatte: „Take the A-Train“ von Billy Strayhorn, berühmt geworden durch das Duke Ellington Orchestra. Dieser Titel war in den ersten Jahren stets unsere Erkennungsmelodie.
Eine Bigband hat üblicherweise eine Standardbesetzung: 13 Bläser (4 Trompeten, 4 Posaunen, 5 Saxofone) plus Rhythmusgruppe, bestehend aus Klavier, Bass und Schlagzeug. Hieran haben wir uns mit A-Train orientiert. Von Beginn an hatten wir mit Kalle Löbel - Schlagzeug, Norbert Fischer - Bass und meinem Freund und Kollegen Hans-Günther Kölz am Klavier eine sehr stabile, bestens funktionierende Rhythmusgruppe, die bis heute die Basis der Band bildet. Der Versuch die Stimmverteilung und Satzstruktur in gleicher Weise von der herkömmlichen Bigband zu übernehmen, scheiterte allerdings. Nach anfänglichen Versuchen stellte sich rasch heraus, dass Trompete, Posaune und Saxofone mit ihren spezifischen Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten nicht eins zu eins auf Akkordeons übertragbar sind. So habe ich mich bei den mehr als 150 Arrangements, die ich inzwischen für diese Band geschrieben habe, mehr am Aufbau des herkömmlichen Akkordeon-Orchesters orientiert.
Zu einer Bigband gehören Solisten. Stefan Klink – Trompete und Flügelhorn war während 25 Jahren bei nahezu allen Konzerten eine große Bereicherung. Eric Dann, der inzwischen mein Nachfolger als musikalischer Leiter ist, hat sich als Jazz-Akkordeonist solistisch präsentiert und nicht zu vergessen unsere wechselnden Gesangs-Solisten. Aktuell ist das Geschwisterpaar Martina und Robert Zaske solistisch oder im Duett aus unseren Programmen nicht mehr wegzudenken. Des Weiteren haben wir mit Prof. Matthias Anton – Saxofon wiederholt zusammengearbeitet, neu im Kader der Solisten ist Tian Long Li auf der Mundharmonika.
Bekanntlich soll man aufhören, wenn es am schönsten ist. Das 25-jährige Bestehen war dafür eine gute Gelegenheit. Ich bin sehr dankbar mit Eric Dann einen sehr kompetenten Nachfolger zu haben, werde aber der Band nun nicht den Rücken kehren. Gerne unterstütze ich die Fahrt des A-Train weiterhin als Gitarrist und mit neuen Arrangements und Kompositionen.
Wolfgang Ruß, Frühjahr 2026
25 Jahre A-Train (von Juana Holzapfel)
Die Landes-Akkordeon-Bigband Hessen wird 25
In seinem 25jährigen Bestehen blickt das Orchester auf 70 Konzerte zurück und hat fast 200 Arrangements und Kompositionen gespielt. Es tritt seit 2002 regelmäßig auf jedem Hessentag, dem größten Landesfest des Bundeslandes, auf. Legendär sind die Auftritte 2007 und 2016 auf dem World Music Festival im Wechsel mit dem Orchester Hohnerklang. Ein Highlight war das Mitwirken beim 30. Bühnenjubiläum der bekannten hessischen Rock-Band „Rodgau Monotones“ in 2008, als zwanzig A-Train-Spieler zwei Titel der hessischen Mundart-Band vor 3.000 Zuschauern im Amphitheater Hanau begleiten durften. Ebenfalls großes Publikum hatte A-TRAIN beim Konzert auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn.
Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt beim Festakt der Verleihung der Zelter- und Pro-Musica-Plaketten durch den Bundespräsidenten Franz-Walter Steinmeier im Kurhaus Bad Homburg im Jahre 2018.
Die Band hat in 2009 ihre erste CD in den Bauer Studios in Ludwigsburg aufgenommen, „Take the A-Train“. Im Abstand von jeweils drei Jahren folgten „Nice & Sweet“, „Night Beat“ und „Make me smile!“. Die letzte CD „Winter Wonderland“ entstand im März 2023.
Nun ist das Orchester 25 Jahre jung und das soll in vier Konzerten gefeiert werden. Neben den A-TRAIN Hits aus 25 Jahren Band-Geschichte gibt es viele neue Titel und beim Jubiläumskonzert in Pfungstadt sogar eine Welt-Uraufführung. Der Konzertreigen im Jubiläumsjahr beginnt am 11. Mai 2025 im Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz, am 31. Mai 2025 spielt die Band zusammen mit dem Orchester Hohnerklang auf dem World Music Festival in Innsbruck. Der 21. Hessentagsauftritt ist am 14. Juni 2025 in Bad Vilbel. Das Jubiläumsjahr endet mit dem Jubiläumskonzert in Pfungstadt am 20. September 2025.
Details und weitere Informationen sind auf der Homepage www.a-train-bigband.de zu finden.
Die Band im Jahre 2000
Auf der Bühne mit den Rodgau Monotones
A-TRAIN auf der Bühne
Bandleader Wolfgang Ruß
Jubiläumskonzert „25 Jahre A-TRAIN“ (von Bernhard Wondrak)

DHV-Ehrenmedaille in Gold für Wolfgang Ruß
„Dieser Samstagabend war wirklich ein Fest“ ist eine sehr treffende Beschreibung des Jubiläumskonzerts „25 Jahre A-TRAIN“ am Samstag, den 20.09.2025 in Pfungstadt. Das Fest war der musikalische Höhepunkt des A-TRAIN Jubiläumsjahrs, in dem A-TRAIN mit dem Jubiläumskonzert an den Ort seiner Gründung zurückkehrte. Veranstaltet wurde das Konzert vor ausverkauftem Saal von der Akkordeon-Vereinigung 1936 Pfungstadt, die auch den Abend musikalisch eröffnete. Das 1. Orchester der AVP 1936 startete in den Abend mit „Porgy and Bess“ und leitete später mit einem Medley aus Songs von Herbert Grönemeyer zum zweiten Teil über. In der ersten Hälfte trat noch der Nachwuchs der AVP auf, die AVP Dance Monkeys. Da ist der Name Programm, denn sie spielten auch den gleichnamigen Radio Hit von Tones and I.
Nach einer kurzen Umbaupause eröffnete A-TRAIN sein Konzert mit „Take the A-Train“. Schließlich stand dieser Titel Pate für den Bandnamen. Die Band legte sogleich mit großer Spielfreude los und präsentierte einen Solisten nach dem anderen. Gleich zwei Bläser veredelten den Akkordeon-Sound: Stefan Klink an Trompete und Flügelhorn begeisterte mit brillanten Soli und Überraschungsgast Prof. Matthias Anton trieb sein Saxofon zu solchen Höhen und Tempi, dass man völlig vergaß, dass es eigentlich Jazz-Balladen waren. Auch die Sängerin Martina Zaske und ihr Bruder Robert Zaske präsentierten sich stimmstark und sorgten mit dem Duett „Unforgettable“ für echtes Gänsehautfeeling.
Mit dem musikalischen Feuerwerk des Jubiläumskonzerts verabschiedet sich Wolfgang Ruß nach 25 Jahren aus der musikalischen Leitung von A-TRAIN. Nachfolger ist Eric Dann. Er ist schon mehr als 10 Jahre in der Band als Solist, Arrangeur und stellvertretender Leiter tätig.
Fünfundzwanzig Jahre A-TRAIN sind nur ein Aspekt im Wirken und im besonderen Engagement von Wolfgang Ruß für die musikalischen Ziele des DHV. Als Anerkennung für die Pflege, Förderung und Verbreitung des Musizierens in der Gemeinschaft und der Mitwirkung in vielen Gremien zeichnete DHV-Präsident Jochen Haußmann Wolfgang Ruß mit der Ehrenmedaille in Gold aus. Es ist die höchste Auszeichnung, die der DHV vergeben kann.
Zum Abschluss gab es noch die Uraufführung der Suite „Collage“ von Wolfgang Ruß, eine Auftragskomposition des Hessischen Harmonika Verbandes, die das A-TRAIN Motto „Rock - Pop - Jazz - Latin“ musikalisch verarbeitet und im Showdown allen Solisten Freiräume zu Improvisationen lässt. Das Gesangsduo Martina und Robert Zaske überraschten sogar mit einer Scat-Gesang Einlage. Ein musikalisch außergewöhnlicher Abend in einer harmonischen Atmosphäre, ein wirkliches Fest.

Einundfünfzig Musiker spielten auf der Bühne beim Jubiläumskonzert in Pfungstadt vor ausverkauftem Saal. Darunter waren 18 Gründungsmitglieder. Seit Anfang an dabei sind auch die Solisten am Piano, Hans-Günther Kölz, an Drums und Percussion, Kalle Löbel und Dennys Mehlmann und Bassist Norbert Fischer.

Wolfgang Ruß erhält die Ehrenmedaille in Gold von DHV-Präsident Jochen Haußmann
DHV-Präsident Jochen Haußmann überreicht Wolfgang Ruß die höchste Auszeichnung des DHV, die Ehrenmedaille in Gold, für besonderes Engagement von Wolfgang Ruß für die musikalischen Ziele des DHV, als Anerkennung für die Pflege, Förderung und Verbreitung des Musizierens in der Gemeinschaft und der Mitwirkung in vielen Gremien.

Das Gesangsduo Martina und Robert Zaske
Das Geschwisterpaar Martina und Robert Zaske bereichert seit 2021 die A-TRAIN Konzerte mit seinem Gesangskünsten. Ihr Repertoire reicht von fetzigen Jazz-Klassikern über Schlager und Pop-Songs bis hin zu Balladen mit Gänsehautfeeling.